Donnerstag, 6. Oktober 2011

Seetag - Sturm Stärke 9 und ausruhen bis New York


Der Wecker ging wieder um 07:30 und als ich ins Bad ging, hatte ich irgendwie das Gefühl, es schaukelt immer noch recht ordentlich. Ich hab das Kabinen-TV angeschaltet mit dem „Captains Log“ und da stand’s auch: Windstärke 9, Wellen 4-5 Meter. Na bitte. Ist zwar deutlich schwächer als gestern Mittag, aber reicht immer noch als Erklärung, warum ich auf dem Klo unfreiwillig wie in einem Liegestuhl sitze... (nach hinten gelehnt)... Das Schiff wird vom Wind in "leichte" Schieflage gedrückt. Aber es rumpelt und „wedelt“ immer noch das Heck durcheinander. Immerhin fahren wir noch.
Beim Frühstück bekamen wir (diesmal im ganz oberen Bereich) wieder einen Fensterplatz, allerdings mit noch 6 anderen Leuten geteilt. War aber sehr lustig. Und vor allen Dingen hatten wir einen Blick auf die Windstärke 9, bei der teilweise sogar ein paar Sonnenstrahlen durch kamen.

Beim üblichen Gang in den Wintergarten für Tisch mit Steckdose nebendran haben wir festgestellt, dass die Türen zur Promenade noch immer geschlossen sind. Einige sogar „verschnürt“, weil der Wind stärker als das Schloss ist.
Im Kings Court hat’s einen Trockner stehen, dass der Teppich wieder trocken wird. Der Bereich war gestern Nachmittag komplett abgesperrt, weil „geflutet“.
Der Kapitän gab gegen 10:30 wieder eine Durchsage (in sämtlichen Räumen), dass wir aufgrund des Feuers im Gasturbinen-Auspuff und des wirklich sehr starken Sturms gestern zwei Stunden Verspätung auf unserem Zeitplan haben. Auch heute hat es noch Windstärke 9 und er bittet auch weiterhin alle Passagiere, sich bitte gut festzuhalten, während sie sich durch’s Schiff bewegen und bedankte sich für alle Geduld, die wir gestern aufgebracht haben. Es hätte doch bewiesen, dass dieses Schiff tatsächlich für solche Wetterbedingungen konzipiert sei. Was den Brand angeht, so konnte über Nacht durch das Mechanikerteam – welchem er hiermit seinen ausdrücklichen Dank aussprechen möchte – die durch den Brand defekte Gasturbine wieder vollkommen instand gesetzt und zu voller Leistung gebracht werden.

Ja, es gibt nicht nur Busfahrer in New York, die Wunder vollbringen können, sondern auch Mechaniker auf einem Schiff...

Wir „gammeln“ in aller Ruhe so vor uns hin, geniessen den Ausblick auf die rauschenden Wellen, die wir im Wintergarten kaum spüren, nur das Wind-Gepfeife der offenen (nicht schliessen wollenden Türen) hören wir und das sorgt zudem noch für Frischluft in der ganzen Klimaanlagenluft. Sehr gut. So kommen wir doch noch zu unserer Frischluft-Kur heute, auch wenn wir wieder nicht raus dürfen.
Gegen Nachmittag sind einige Deck Attendants in Dicken Anoraks mit gelben Gummihosen gegen den Regen draussen unterwegs (mittlerweile ohne Sicherheitsgeschirr und grossem Karabinerhaken mit Seil dran) und spritzen mit Hochdruckreinigern das Salz von den Deckchairs, den Fenstern und dem Boden, sowie auch den Davits, denn das Zeugs ist ja sehr aggressiv. Andere rennen mit dem Abzieher hinterher, um das Wasser vom Boden wegzubekommen. Die Türen sind aber noch immer für „Otto-Normal-Verbraucher“ geschlossen.
Dem Daily Programme entnehmen wir wieder, dass in New York alle Leute raus müssen, wegen den Zollformalitäten, selbst wenn sie eigentlich nicht vom Schiff wollen, bzw. müssen. Na ja.
Wir haben morgen eine weitere Tour gebucht „New York by Land and Sea“ und hatten diesmal im Daily Programme sogar den „Guide“ für New York beigelegt bekommen ! Beim ersten Mal ist das Teil „an uns vorbei gegangen“. Leider. Na ja. Wir brauchen’s ja nicht doppelt. So passt das auch. Ferner bekommen wir gegen Mittag eine Nachricht auf die Kabine, wann wir für unsere Tour im Theater anzutanzen haben. Ich lass das mal so, aber gegen frühen Abend geh ich dann doch an die Rezeption (das Tour-Office hatte schon zu), und meinte, dass das irgendwie zu früh sei, 07:30 im Theater, und die Dame meinte nur: doch, das passt schon, wenn Ihre Tour um 08:00 los geht. Ich erwähnte dann nur vorsichtig, dass ich nicht gewillt sei, nach Brooklyn und unserem Tourbus zu schwimmen, denn der Kapitän meinte doch, wir kämen ca. 2h später in New York an, als geplant, will heissen, erst um 08:30. Sie schaute ganz vorsichtig und hat dann wohl gemerkt, was sie da gesagt hatte. 
Ich hab das dann abgeschwächt und gemeint, dass ich seit mittags noch nicht wieder in der Kabine war und ob vielleicht eine neue Info rausgegeben worden sei? – oh ja, da war ein neuer Zettel, der müsste jetzt da sein. Also bin ich halt nochmal zurück zur Kabine – ein gutes Training, denn wir sind ja heute kaum gelaufen (ich spür die Waden von Quebec am 03.10. in der Nacht übrigens immer noch !), und tatatataaaa! Da war der Zettel mit den diesmal „richtigen“ Zeiten drauf. Das gibt uns guten Vorschub. Wir können etwas länger schlafen, dann in Ruhe auf Deck 11 für die Brücke + Einfahrt nach New York in der Hoffnung, diesmal ist die „grüne Olga“ nicht so schamhaft verhüllt, wenn wir ankommen, und danach dann in Ruhe zum Frühstück.  

Tja, dann wär das auch geklärt. Auf dem Weg zur Kabine
hab ich nur wieder einen „Berg“ Koffer gesehen.
Na ja in einer Woche sind auch wir dran, aber erst in einer Woche, und dann ist’s auch gut, würd ich sagen. Ich glaub, bis dahin sind wir dann soweit, dass wir die 13 Monate vorher „aufgearbeitet“, bzw. wieder „nachgetankt“ haben. Selbst, wenn wir fast täglich eine Stunde „geklaut“ bekommen, um wieder auf den (zeitlichen) Boden der (vorerst britischen) Tatsachen zu kommen. Wenn wir in Basel landen fehlt ja noch mal eine Stunde. Nun gut. Passt schon. Dafür haben wir dann das Wochenende (mit Wäsche usw.) um wieder „eingenordet“ zu werden. Aber wie gesagt, das hat noch eine ganze Woche Zeit.
Mein Taschenbuch (300 Seiten) hab ich auch endlich ausgelesen, das Ding dann bei der Bibliothek in die Bücherrückgabe als „Donation“ versenkt und bei der Gelegenheit noch ein Bild vom tollen Sonnenuntergang erhaschen können.
Zwar durch die total versalzten Frontscheiben, aber immerhin. Schöööön... Und wenn man denkt, die Bibliothek ist auf Deck 8 bitteschön.... das sind mindestens ca. 30m über dem Meeres-Niveau. Und die Fenster sind wirklich stark versalzen. Da sind so einige Brecher gestern bis da hoch gespritzt...

Jetzt geht’s erst mal wieder zum (legeren) Abendessen ins Britannia
und dann bald in die Heia, denn der Wecker wird auf jeden Fall auch für uns morgen um 05:00 klingeln – wegen der zu erwartenden Aussicht. Wer hat schon zweimal die Möglichkeit? WIR (Gott sei Dank) !